Es war spannend live bei einer Diskussion dabei zu sein, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt

22.05.2015

Mein Praktikum beim MdB Marian Wendt

Vom 24. April bis zum 8. Mai 2015 hatte ich die einmalige Möglichkeit, ein Praktikum beim Bundestagsabgeordneten Marian Wendt, zu absolvieren. Dabei bot sich mir die Gelegenheit, in das Arbeitsleben eines Abgeordneten einzutauchen, welches anders ist, als es ich mir anfangs vorgestellt hatte. Im Folgenden werde ich über meine Erfahrungen berichten, die ich nicht nur mit Marian Wendt gemacht habe, sondern auch mit seinen Mitarbeitern.

Im gesamten Bundestag arbeiten rund 6000 Mitarbeiter, also hat er fast die Größe einer Kleinstadt. Damit alles ohne Komplikationen abläuft, arbeiten über 2 600 Menschen in der Verwaltung. Dortige Mitarbeiter bereiten z. B. parlamentarische Sitzungen vor und unterstützen politische Beratungen der 631 Abgeordneten. Hinzu kommt eine große Anzahl von Dolmetschern und wissenschaftlichen Mitarbeitern. Um für die nötige Sicherheit zu sorgen hat der Bundestag eine eigene Polizei und ist sogar ein eigener Polizeibezirk.

Diese Zahlen wirkten auf mich sehr einschüchternd und ich hatte Angst, als eine „kleine Schülerpraktikantin“ von oben herab behandelt zu werden. Das war aber keineswegs der Fall. Während meiner Praktikumszeit war ich nicht nur in dem Büro von Marian Wendt in Berlin, sondern habe auch in seinem Wahlkreisbüro in Torgau gearbeitet. In beiden Büros waren alle Mitarbeiter wahnsinnig freundlich zu mir und die Tatsache, dass sich alle gegenseitig geduzt haben, hat mir die Eingewöhnung sehr erleichtert.

In Torgau, wo ich in der ersten Woche war, habe ich erlebt, welche Aufgaben ein Politiker außerhalb des Bundestages in Berlin hat und wie Wahlkreisarbeit abläuft. Außerdem habe ich der dortigen Mitarbeiterin Diana Kammer bei ihren verschiedenen organisatorischen Tätigkeiten geholfen.

Die zweite Praktikumswoche habe ich in Berlin absolviert. Es war Sitzungswoche und in diesem Zeitraum kommen alle Abgeordneten aus ganz Deutschland nach Berlin, um in verschiedenen Ausschüssen über aktuelle Probleme und Gesetze zu debattieren. Marian Wendt ist Mitglied im Innenausschuss und im Ausschuss Digitale Agenda. Deswegen habe ich den jeweiligen fraktionsinternen AGs beigewohnt und eine Debatte im fraktionsübergreifenden Untersuchungsausschuss Innen miterlebt. Die Themen (z.B. versuchter Terroranschlag in Hessen, Edathy-Affäre…) fand ich ziemlich interessant und es war spannend live bei einer Diskussion dabei zu sein, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Bei geheimen Sitzungen konnte ich leider nicht mit. Wenn Marian bei solchen Sitzungen war oder seine Termine für mich uninteressant waren, bin ich im Büro geblieben. Hier habe ich Sekretariatstätigkeiten ausgeführt. Ich durfte Telefonate führen und habe oft Unterlagen vom Büro zu verschiedenen Sitzungsräumen gebracht. Das war nicht so einfach, wie es klingt, da die Veranstaltungen in den verschiedenen Gebäuden des Bundestages stattfanden. Die Wege dazwischen sind lang und nicht immer auf Anhieb zu finden.
Die Sitzungswoche war die ideale Gelegenheit, um mir eine Plenar-Debatte anzuhören. Das Thema, der von mir angehörten, war ein Antrag der Linken, welche wollten, dass der 8. Mai ein offizieller Gedenktag wird. Zuerst haben die Linken in einer Rede die Pro-Argumente erläutert. Danach haben jeweils ein Vertreter der CDU, der Linken und der SPD, eine Rede gehalten, in der sie sich alle (aus unterschiedlichen Gründen) gegen solch einen Gedenktag aussprachen. Am Ende gab es eine Abstimmung und der Antrag wurde abgelehnt. Während des Plenums und auch der anderen Debatten, die ich miterlebt habe, habe ich einige Voraussetzungen festgestellt, die man als Abgeordneter im besten Falle erfüllen sollte. Es ist nötig, flexibel, belastbar, geduldig und kommunikativ zu sein. Außerdem braucht man einen starken Willen und die Fähigkeit, ihn geschickt durchzusetzen. Und wer konfliktscheu ist, sollte sich ganz schnell für eine andere berufliche Richtung entscheiden!

Wenn ich an meine berufliche Zukunft denke, dann sehe ich mich definitiv nicht als spätere Abgeordnete oder Mitarbeiterin in einem Abgeordneten-Büro. Trotzdem hat mir mein Praktikum alles in allem unglaublich gut gefallen und meine Zeit bei Marian Wendt war voll mit neuen Eindrücken und Erlebnissen, von denen ich mein ganzes Leben profitieren werde.
Ich bin Marian Wendt und all seinen Mitarbeitern dankbar dafür, dass sie mir das ermöglicht haben.

Marlene Schmitzer